«Es ist sehr gemütlich da oben»

Er sitzt den ganzen Tag in luftigen 70 Metern Höhe und winkt jeden Morgen den Mitarbeitenden im Hochhaus zu: Giuseppe Congiusti ist Kranführer mit Herz und Hand und steuert den Kran Nummer 3 auf der Baustelle für den Ersatzneubau des Bettenhochhauses des KSW.

Herr Congiusti, das Hinaufklettern ist ein unausweichlicher Teil Ihrer Arbeit. Wie ist das?

Giuseppe Congiusti: Bevor die Arbeiten mit dem Kran überhaupt beginnen, muss ich dem KSW Bescheid sagen, dass der Kran in Betrieb ist. Sie müssen mich kontaktieren können, falls die Rega das KSW anfliegt. Grundsätzlich komme ich jeden Morgen eine halbe Stunde früher auf die Baustelle, um das Telefonat zu erledigen und auf den Kran zu steigen. Das dauert rund zehn Minuten, während denen ich nicht gesichert bin. Der moderne Kran Nummer 3 hat jedoch nicht eine wie bei älteren Modellen übliche Leiter, sondern eine Art Treppe mit Zwischenpodesten.

Wie gehen Sie mit der Höhe um?

Ich arbeite nun schon seit 30 Jahren als Kranführer und habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Damals, an meinem ersten Arbeitstag, musste ich zwar nur auf einen 50 Meter hohen Kran steigen. Aber auf Kränen, wie man sie zu dieser Zeit hatte, wackelte es ziemlich stark, und die Sicherheitsstandards waren auch noch weit von den heutigen entfernt. Unter solchen Umständen fühle auch ich mich etwas unwohl.

Wie sind die Platzverhältnisse im Kranführerhäuschen?

Da der Kran Nummer 3 sehr neu ist, erst etwa ein Jahr alt, ist es im Häuschen sehr gemütlich: Es hat eine Klimaanlage und sogar einen Kühlschrank für die Getränke.

Apropos Getränke: Was rein geht, muss irgendwann auch wieder raus …

An einem normalen Tag komme ich nur für die Mittagspause herunter. Für die kurzen Pausen dazwischen lohnt es sich nicht. Falls es aber zu einem Notfall kommen sollte, muss ich die Arbeit unterbrechen und heruntersteigen. Ich bin ja auch nur ein Mensch (lacht).

Welcher Schwierigkeit begegnen Sie im Arbeitsalltag?

Starker Wind ist ein Problem für die Arbeit mit dem Kran. Spätestens wenn der Wind eine Stärke von 70 km/h erreicht hat, muss die Arbeit unterbrochen werden, da es sonst zu gefährlich wird – vor allem für die Menschen, die sich im Bereich der schwingenden Ladung befinden.

Was braucht ein guter Kranführer?

Viel Konzentration. Wenn man bei der Arbeit nicht konzentriert ist, kann sehr schnell etwas passieren. Man muss immer daran denken, dass dort, wo die Last ist, auch Leute sind und man diese schwer verletzen könnte. Eine Schwierigkeit der Baustelle beim KSW im Besonderen ist, dass sie nicht offen ist. Das heisst, ich muss beim Bewegen der bis zu vier Tonnen schweren Ladung extrem vorsichtig sein, weil es ringsum Gebäude hat. Aber glücklicherweise habe ich von da oben immer den Überblick über die Baustelle und zudem kann ich die Sicht über ganz Winterthur geniessen.